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MONUMENTALE INKUNABEL AUS DER OFFIZIN VON ANTON KOBERGER: Nicolaus de Lyra (1270-1349), Postilla super totam Bliblia, Anton Koberger, Nürnberg 22.1.1481. Letztes Blatt mit Kolophon und Datierung.

Hervorragend erhaltenes, genuines und vollständiges Exemplar der ersten monumentalen Koberger-Ausgabe der „Postillae perpetuae“, des fortlaufenden Bibelkommentars des französischen Franziskaner-Gelehrten Nikolaus von Lyra, welcher zwischen 1322 und 1330 entstand. Obwohl Hain dieses Werk mit drei Bänden aufführt, bezeichnet es der BMC richtigerweise mit zwei Bänden. Band I des vorliegenden Exemplars in der seltenen Satzvariante a) mit dem Kennzeichen auf Blatt 1 „Prologus“ primus venerabilis fratris Nicolai de li=ra in testamentus vetus“ statt Variante b) „Prologus primus venerabilis fratris Nicolai de lira in testamentus vetus“. Nikolaus de Lyra gilt als „der hervorragendste Exeget der Franziskaner und Skotistenschule“ (Grabmann). Sein Werk ist „eine mit gründlicher Kenntnis der früheren katholischen Ausleger und Theologen (namentlich des heiligen Thomas von Aquin) sowie der hebräischen Sprache und der jüdischen Ausleger (besonderes des Raschi) geschriebene Auslegung des Literalsinns der ganzen Bibel, im späten Mittelalter neben der Glossa ordinaria der verbreitetste und einflußreichste Bibelkommentar, der erste gedruckte“ (LThK VII, 580). Die Kommentare von Nikolaus von Lyra prägten die Theologie das gesamte Spätmittelalter hindurch und fanden noch bis in die Reformationzeit Anwendung: „Si Lyra non lyrasset, Lutherus non saltasset“, wie man damals zu spotten pflegte. Die Holzschnitte zeigen u.a. die Arche Noah, die Kandelaber eines Hohen Priesters, Tempelanlagen in Jerusalem und vieles mehr. AUSSTATTUNG: Zweispaltige gotische Type in 71 Zeilen. 43 (davon acht ganzseitige) teils schematische Textholzschnitte. „The woodcuts illustrating the Pentateuch and Prophets in this edition were copied on a smaller scale for Koberger's edition of the Biblia cum postillis, and gave many suggestions to the illustrators of the Venetian edition of 1489“ (BMC). Band I mit jungfräulichen (leeren) Initialspatien. Band II im Gegensatz mit einer großen 9-zeiligen Schmuckinitiale in Rot und Blau mit Federwerk sowie Hunderten von roten und blauen handgemalten großen und kleinen Lombarden sowie durchgehender Rubrizierung in Rot. Satzspiegel: 29 x 18,5 cm. Blattabmessungen: 38,5 x 27 cm. KOLLATION: 430 (statt 432) nicht num Blatt; 506 (statt 507) nicht num. Blatt. Lediglich ohne das erste und letzte weiße Blatt in Band I und das letzte leere in Band II. Im Text vollständiges Exemplar. Lagenformel: Band I: a-e8; f-o6; p8; q-z6; A-L6; M10; N6; O-P8; Q-Z6; aa-xx6; yy10. Band II: a-b6; c8; d-z6; A-B6; C8; D-N6; O8-1; P-Z6; aa-zz6; AA-NN6; OO10. EINBAND: Zwei Renaissance-Einbände vom Ende des 16. Jahrhunderts. Blindgeprägtes Schweinsleder über schweren, abgefasten Holzdeckeln. Abweichend aber ähnlich gebunden und wohl bereits im 18. Jahrhundert als Set vereint. Gebunden auf fünf echten Bünden. Rücken mit alten handschriftlichen Rückenschildern. Schließbeschläge fragmentarisch vorhanden. Schließbügel fehlen. Guter Zustand mit Gebrauchsspuren. Buchblöcke und Bindungen fest und stabil. Deckel fleckig, berieben und beschabt sowie mit Wurmlöchern. Kapitale und Ecken teils etwas abgeschürft und etwas eingerissen. Vorsätze von Band I erneuert. Innengelenke offen und alt repariert. Fliegender Vorsatz von Band II lose. Großfolio: 40,5 x 28 x 24 cm (H x B x D). Gewicht: 13 kg. ZUSTAND: Sehr guter, größtenteils ausgezeichneter Zustand. Haptisch fühlbarer Druck auf festem, klangvollen Büttenpapier. Sauberes und breitrandiges Exemplar. Durchgehend nur minimal gebräunt und partiell gering wasserrandig und gelegentlich nur ganz leicht braun- und stockfleckig. Am Anfang und Ende mit einigen kleinen Wurmlöchern. Vereinzelt einige Marginalien von alter Hand. PROVENIENZ: Parochialgemeinde Lauban, Schlesien - Erstes Blatt des ersten Bandes mit dem Besitzvermerk des Klosters um 1600 und Notizen. Karmeliterkloster Frankfurt am Main - Blatt 1 von Band II mit Stempel „Carmelit(er). Frankf(urt).“. Stadtbibliothek Frankfurt - Vorsatz von Band II mit Stempel „Veräußerte Dublette der Stadtbibliothek Frankfurt am Main“ und durchgestrichener Signatur. REFERENZ: ISTC in00135000; GW 26513; BSB-Ink N-114; BMC II, 419; Hain-Copinger 10369; Gaff N-135; Proctor 1998; Bodleian N-059; Borm 1939; Collijn 1088; Hartig 505; Hubay 1491; Jaspers 117; Lökkös 314; Nentwig 80; Oates 994; Ohly-Sack 2107; Rhodes 1237; Sack 2558; Schramm XVII, 1-43; IBE 4102; IDL 3362. ISTC listet 76 vollständige sowie 80 unvollständige Exemplare in Bibliotheken weltweit.


23.09.2022 - 14:35

17800,- EUR

ARTFINDING Katrin & Tilo Hofmann GbR

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DAS POPULÄRSTE VOLKSBUCH DER SPÄTGOTIK: DAS NARRENSCHIFF - NAVIS STULTIFERA. Sebastian Brant (1457-1521), Johann Geiler von Kaisersberg (1445-1510), Navicula sive speculu(m) fatuo(rum) …, Johann Prüß der Jüngere, Straßburg, 16. Januar 1511.

Zweite lateinische Ausgabe der von Geiler von Kaiserberg herausgegeben Veröffentlichung der berühmten Narrenschiff-Predigt und die erste Ausgabe, die mit den Dürer-Holzschnitten aus Sebastian Brants Narrenschiff von 1494 illustriert wurde. „Neben der Lübecker Bibel der gewichtigste Zyklus in Holzschnitt, der vor der Apokalypse erschienen ist ... Die ersten wahren Sittenbilder von vollendeter Schönheit“ (Winkler, Dürer und die Illustrationen zum Narrenschiff, Berlin 1951). Johann Geiler von Kaisersberg, auch der „der deutsche Savonarola“ genannt, war einer der größten Volksprediger des 15. Jahrhunderts. Seine in Straßburg gehaltenen Predigten basierten auf dem immens populären „Navis Stultifera“, das von seinem Freund und Humanistenkollegen Sebastian Brant geschrieben und erstmals 1494 in Basel veröffentlicht wurde. Das Buch enthält 110 Predigten, die sich auf 110 Arten von Narren beziehen. Die für die „Navicula“ verwendeten Holzschnitte wurden ursprünglich für das „Narrenschiff“ in Auftrag gegeben. Die spätmittelalterliche Moralsatire veranschaulicht die damalige Welt mit all ihren Lastern und Eigenheiten. Der bahnbrechende Erfolg dieser volkstümlichen Literatur zog sowohl legitim veröffentlichte Parallelausgaben, als auch Raubdrucke nach sich. Vorliegende Ausgabe wurde unter Verwendung der originalen Holzschnitte durch Geiler von Kaisersberg im Text erweitert und als Predigt veröffentlicht und enthält ebenso das Werk „Compendiosa vitae eiusdem descriptio“ von Beatus Rhenanus (VD16 R 2060). Ausführliche Predigt Kaisersbergs über die spätmittelalterliche Moralsatire, die eine Typologie von 110 Narren bei einer Schifffahrt mit Kurs auf das fiktive Land Narragonien entwirft und so der Welt durch eine unterhaltsame Schilderung ihrer Laster und Eigenheiten kritisch-satirisch den Spiegel vorhält. Das Buch gliedert sich in eine Vorrede und 112 Kapitel, die in den meisten Fällen jeweils ein typisches menschliches Fehlverhalten oder Laster beschreiben und als Auswuchs närrischer Unvernunft präsentieren, so z. B. Habsucht, Kleidermoden, Schwätzerei oder Ehebruch, auch vor den Türken und dem nahen Weltende wird gewarnt; Regierende bekommen gute Ratschläge und ein neuer Heiliger namens St. Grobian tritt als Flegel auf. Das Schlusskapitel stellt diesem Reigen von Narren den Weisen als Ideal vernünftiger Lebenshaltung gegenüber und klingt im Schlussreim mit dem Namen des Autors aus, noch gefolgt von einem gereimten Explizit und einer in späteren Auflagen hinzugefügten Protestation, die sich über unbefugte Plagiate und Erweiterungen beschwert. Ist der Narr durchgehendes Leitmotiv, so taucht das Narrenschiff als Rahmen prägendes Motiv nur einige Male auf. KOLLATION: 280 nicht num. Blatt. Vollständig. Lagensignatur: 1/8; 2/6; 3/8; A4; B8; CD4; E8; FG4; H8; IK4; L8; MN4; O8; PQ4; R8; ST4; U6; XY4; Z8; ab4; c8; de4; f8; gh4; i8; k-m4; n8; op4; q8; rs4; t8; ux4; y8; z-Aa4; BbCc6. AUSSTATTUNG: Einspaltige, gotische Type mit bis zu 44 Zeilen und Überschrift bzw. Kapitelpaginierung. Ein Titelholzschnitt mit dem Narrenschiff und 112 nahezu blattgroße Holzschnitte nach Albrecht Dürer, dem Hainz-Narr-Meister und anderen, meist flankiert von blattförmigen Randstücken in Holzschnitt. Die optisch ansprechenden und lebendigen Illustrationen trugen maßgeblich zum Erfolg des Narrenschiffs und seiner Folgepublikationen bei. Der junge Albrecht Dürer, der sich auf seiner Wanderschaft in Basel aufhielt, fertigte 74 Holzschnitte an. 21 weitere werden dem sogenannten „Haintz-nar-Meister“ und 7 dem „Gnad-her-Meister“ zugeschrieben, 10 weitere stammen von bisher unbekannter Hand. Abmessungen Blatt: 21 x 15 cm; Satzspiegel: 15,5 x 10,5 cm; Holzschnitte ca. 11,5 x 8,5 cm. EINBAND: Originaler Holzdeckeleinband der Zeit. Rücken sowie nahezu die Hälfte der Deckel mit blindgeprägtem Schweinsleder mit zwei Messingschließen. Gebunden auf drei Bünden. Guter Zustand. Buchblock und Bindung fest und stabil. Einband, insbesondere der Vorderdeckel mit Wurmlöchern und Wurmgängen. Die untere Ecke vom hinteren Deckel sowie die der untere Schließbügel erneuert. Die andere Schließe original aber abgelöst und lose beiliegend. Schwanz etwas lädiert. Rücken mit alten Bibliotheksmarken. Quartformat: 22,5 x 17 x 5 cm. ZUSTAND: Sehr guter Originalzustand. Weitgehend sauberes und breitrandiges Exemplar. Gleichmäßig leicht gebräunt und fingerfleckig. Die ersten beiden Blatt stärker fleckig und wurmstichig. Sonst nur vereinzelt einige Wurmlöchlein. Die Ränder ab und an partiell etwas fleckig. Ein Stück des unteren leeren Randes von Blatt S2 mit repariertem Abriss. Blatt /4 mit Einriss im unterem Bug. Blatt b1-4 auf dünnem Papier aber original gedruckt. Holzschnitte zumeist in guten, kräftigen Abdrucken. Etliche Randbemerkungen und Unterstreichungen einer zeitgenössischen Hand. Ordentliches und vollständiges Exemplar. PROVENIENZ: Bis 1883: Kartause von Buxheim - Bibliotheksstempel auf dem Titel. Ferner der handschriftliche Eintrag eines Georg Mantz „In usum Georgij Mantz“ unter dem Stempel. NACHWEIS: VD16 G 778; Adams G-316; Ritter 959; Muller 21, 89; Kristeller 623; Meder S. 274; Dacheux 50. Proctor 9995; Goedeke I, 400; Schoch, et al., Dürer, das druckgraphische Werk, III, 266; Winkler, Dürer und die Illustrationen zum Narrenschiff, 1951. VD16 listet lediglich 18 Exemplare in den Bibliotheken des deutschsprachigen Raumes.

Sachgebiete: Alte Drucke 16. Jahrhundert , Holzschnitt, Humanismus, Inkunabeln, Philologie

23.09.2022 - 14:29

ARTFINDING Katrin & Tilo Hofmann GbR

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EINE BISHER UNENTDECKTE AUSGABE: Veit Dietrich (1506-1549), Haußpostill Uber die Sontags und der fürnemesten Feste Euangelien durchs gantze jar. Drei Teile in einem Band, Hans Lufft, Wittenberg, 1573

Unikale und altkolorierte Ausgabe der Hauspostille von Veit Dietrich. Diese wurde erstmals im Jahr 1544 bei Berg & Neuber in Nürnberg gedruckt und erfuhr nahezu jährlich neue Auflagen. Obgleich damals wohl ein Bestseller, sind diese häufig gebrauchten Exemplare heute jedoch allesamt sehr selten. Vorliegende Ausgabe ist nicht im VD16 und im WorldCat erfasst, dieses Exemplar gilt somit als das einzig erhaltene Exemplar dieser Ausgabe, welche bisher in der Literatur nicht bekannt ist und somit weiteres Forschungspotenzial innehat. Im Satzspiegel und Kollationierung ist unser Exemplar mit der ersten Ausgabe von Hans Lufft aus dem Jahr 1552 identisch (VD16 L4851, nur in der BSB München), verfügt jedoch über andere Holzschnitte. Auch die 1553-er Ausgebe von Luft verfügt exakt über diese Kollationierung (VD16 ZV 10065, nur in der Ratsbücherei Lüneburg). Dass Hans Lufft nach der Ausgabe von 1553 noch eine weitere druckte ist bisher nicht bekannt. Insofern handelt sich es bei diesem Exemplar um ein absolutes Unikat. AUSSTATTUNG: Einspaltiger Druck in gotischer Type. Insgesamt 88 Textholzschnitte, sowie weit mehr als 100 große und kleine figürliche Holzschnittinitialen, überwiegend im prachtvollen zeitgenössischen Kolorit. Einige wenige Holzschnitte ab Teil II, Seite 108 nur ankoloriert. Die Holzschnitte stammen von Hans Brosamer (Signet „HB“, Blatt 61 verso) sowie den Meistern „die diese Gestalt des Eisens führet: 1555-1579 Wittenberg (Schneckenzeichen HS Blatt 34 verso)“, u.a. wohl Anton von Worms? Satzspiegel: 25,5 x 14 cm ohne Randkommentare und Überschrift; Blattmaße: 30,5 x 19 cm. KOLLATION: 14 nicht num. Blatt; 166 num. Blatt (Teil I); 156 num. Blatt (Teil II); 102 num. Blatt (Teil III). Zusammen 438 Blatt. Vollständig. Lagenformel: )(6; )(8; A-Z6; Aa-Dd6; Ee4; A-Z6; a-c6; A-R6. EINBAND: Originaler, genuin erhaltener Renaissance-Einband. Blindgeprägtes Schweinsleder über massiven Holzdeckeln. Deckel mit Stempelrollen Palmettenfries, Gelehrtenrolle, Blütenbordüre sowie Heiligenportraitrolle, wohl aus einer Wittenberger Werkstatt. Mittelkasten lehr und mit Buckelbeschlag bestückt. Deckel mit 9 (von 10) Eck- und Buckelbeschlägen. Zwei originale, intakte Schließen. Vier echte Bünde. Guter bis sehr guter Zustand mit nur geringen Gebrauchsspuren. Buchblock fest und stabil. Deckel leicht berieben und fleckig. Bünde leicht berieben. Folio: 32,5 x 22 x 7,5 cm. ZUSTAND: Sehr guter Zustand mit nur geringen Gebrauchsspuren. Sauberes und breitrandiges Exemplar. Papier teilweise gebräunt und in den Rändern etwas braun- oder stockfleckig. Die ersten beiden Vorsatzblätter mit Einrissen und Abrissen. Das dritte Vorsatzblatt sowie das Titelblatt unten mit repariertem Riss. Blatt N2 unten im Bug mit Randeinriss. Das zeitgenössische Kolorit teils oxydiert und kaum störend auf die Rückseite durchschlagend. Papiersubstanz durchweg stabil. Einige zeitgenössische Unterstreichungen und Marginalien in brauner Tinte. REFERENZEN: Von uns nicht nachweisbarerer Druck. Nicht im VD16; nicht im WorldCat. VD16 weist kein einziges Exemplar in Bibliotheken nach. PROVENIENZ: Auf dem Titel der handschriftliche Eintrag „L.H.Z. ora 2 Plopsheim 6.A(u)g(ust) 1683. Von derselben Hand stammen die handschriftlichen Eintragungen im Buch. Oben auf dem Titel die Besitzerinitialen „O.C.D.“, wohl ebenso aus dem 17. Jahrhundert. Erworben von den Erben einer alten süddeutschen Reformationssammlung.

Sachgebiete: Alte Drucke 16. Jahrhundert , Einbände, Holzschnitt, Reformation, Religionsgeschichte

23.09.2022 - 14:14

15900,- EUR

ARTFINDING Katrin & Tilo Hofmann GbR

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DIE GRUNDLAGEN DES NOTWARWESENS: Formulare und deutsch Rhetorica, Anton Sorg, Augsburg, 24.VII.1483.

Sehr frühe Ausgabe eines der ersten deutschsprachigen gedruckten Kanzleihandbücher. Davor erschienen nur eine niederdeutsche Fassung in Rostock um 1476, dann schon das erste der schwäbischen Formelbücher 1479/82 bei Zainer in Ulm und 1483 bereits das hier vorliegende. Hain nennt unter der Nummer 7259 eine Ausgabe von Sorg aus dem Vorjahr 1482, von der jedoch bisher kein einziges Exemplar nachgewiesen werden konnte. Im selben Jahr 1483 wie unser Druck beginnt auch die Reihe der wohl auf den schwäbischen Formelbüchern beruhenden, aber ihnen gegenüber doch stark veränderten oberrheinischen Kanzleihandbücher mit Ausgaben in Straßburg und einigen anderen rheinischen Städten. Im Aufbau ist das Handbuch den früheren lateinischen Brieflehren angelehnt: auf die allgemein in die Theorie und die Zwecke von Briefen und Urkunden einführende Einleitung folgen zwei Sammlungen, und zwar Musterformeln für die verschiedenen Teile von Briefen und Urkunden und danach die eigentliche Beispielsammlung. AUSSTATTUNG: Einspaltige gotische Type in 35 Zeilen und Kapitelüberschriften. Satzspiegel: 22 x 13 cm; Blattgröße: 25,5 x 18 cm. KOLLATION: 21 nicht num. Blatt; 134 num. Blatt. Ohne das letzte weiße Blatt. Im Text absolut vollständig. Lagenformel: a4; b-u8. EINBAND: Halblederband um 1800. Vier Bünde. Deckel mit Marmorpapier bezogen. Dreiseitiger Rotschnitt. Guter Zustand mit Gebrauchsspuren. Deckel fleckig. Kanten und Ecken berieben und bestoßen. Gelenke brüchig und angerissen. Buchblock und Bindung fest und stabil. Folio: 26,8 x 18,5 x 3,5 cm. ZUSTAND: Sehr guter genuiner Zustand. Sauberes Exemplar. Am Anfang in den Außenrändern etwas wasserfleckig und in der rechten unteren Ecke wurmstichig. Sonst vereinzelt im Oberrand und im Bug winzige Wurmgänge. Letzte zwei Blatt mit keinem Loch im Text. PROVENIENZ Bibliothek Hans Roth (1938-2016). Roth war Münchner Heimatpfleger. REFERENZ: ISTC if00243800; GW 10179; BMC II, 350; Hain 7261; Proctor 1689; R. Stintzing, Geschichte der populären Literatur des römisch-kanonistischen Rechts in Deutschland, Leipzig 1867, 317. Laut ISTC weltweit lediglich in 6 Bibliotheken vorhanden (ÖNB Wien, SB Berlin, SUB Göttingen, WLB Stuttgart, KB Aarau, BL London). Kein Exemplar in den USA. COLLATION: 21 unnumbered. sheet; 134 num. leaves. Without the last white leaf. In text absolutely complete. Layer formula: a4; b-u8.  BINDING: Half-leather binding circa 1800. Four bands. Covers covered with marbled paper. Red edges on three sides. Good condition with traces of use. Cover stained. Edges and corners rubbed and bumped. Joints brittle and cracked. Book block and binding firm and stable. Folio: 26.8 x 18.5 x 3.5 cm. CONDITION: Very good genuine condition. Clean copy. A little waterstained in the outer margins at the beginning and worm-holed in the lower right corner. Otherwise isolated tiny wormholes in upper margin and at centrefold. Last two leaves with no hole in the text. PROVENANCE: Library of Hans Roth (1938-2016). Roth was a Munich local history keeper. REFERENCE: ISTC if00243800; GW 10179; BMC II, 350; Hain 7261; Proctor 1689; R. Stintzing, Geschichte der populären Literatur des römisch-kanonistischen Rechts in Deutschland, Leipzig 1867, 317. According to ISTC only available in 6 libraries worldwide (ÖNB Vienna, SB Berlin, SUB Göttingen, WLB Stuttgart, KB Aarau, BL London). No copy in the USA.

Sachgebiete: Alte Drucke 16. Jahrhundert , Inkunabeln, Jura, Mittelalter, Politik

23.09.2022 - 13:40

18900,- EUR

ARTFINDING Katrin & Tilo Hofmann GbR

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EINE DER BEDEUTENDSTEN UND SCHÖNSTEN INKUNABELN AUS PROMINENTEN BESITZ: Stephan Fridolin (1430-1498), Schatzbehalter der wahren Reichtümer des Heils, Anton Koberger, Nürnberg, 18. November 1491.

Erste und einzige Ausgabe eines der schönsten und bedeutendsten Werke der Inkunabelzeit. In dem Predigtzyklus werden 100 Betrachtungsweisen des Leidens Christi abgehandelt, die durch 96 ganzseitige Holzschnitte aus der Wolgemut-Pleydenwurff-Werkstatt illustriert sind. Neben Szenen aus dem Alten und Neuen Testament sind allegorische Bilder theologischen Inhalts vertreten. Fridolin schöpfte aus patristischen, insbesondere franziskanischen Quellen, aber auch Werke der Scholastik und des Aristoteles waren ihm vertraut. Das Andachts- und Erbauungsbuch wurde „auf Veranlassung der Schwestern des Nürnberger Klarissenklosters und ihrer Äbtissin, Caritas Pirckheimer, von Fridolin (1482-1498 Prediger und Beichtvater bei St. Klara) verfasst und nach Bellm in einer Auflage von ca. 150 Exemplaren gedruckt“. (Schäfer). Der Franziskanerobservant Stephan Fridolin (ca. 1430-1498) wirkte seit 1460 als Prediger im Bamberger Franziskanerkloster. Nach einer Romreise war er ab 1480 als Lektor des Nürnberger Franziskanerklosters und 16 Jahre als Prediger und später auch als Beichtvater der Nürnberger Klarissen tätig. Neben einem historischen Werk und einigen Predigten verfasste Fridolin als erste Erbauungsschrift den 'Schatzbehalter', es folgten 'Der geistliche Herbst' und 'Der geistliche Mai'. Die Autorschaft des anonym erschienenen 'Schatzbehalters' ist durch einen zeitgenössischen Eintrag in einem in der BSB vorliegenden Exemplar gesichert, das aus dem Kloster Rebdorf stammt. ILLUSTRATION: Zweispaltige, gotische Type mit 41 Zeilen. Jungfräuliche Initialspatien, Urzustand. Illustriert mit einer Folge von 96 prachtvollen Holzschnitten von 91 Stöcken, die in der Mehrzahl nachweislich von Michael Wolgemut und Wilhelm Pleydenwurff geschaffen wurden. „Mit ihrer Fülle des bildhaft Dargebotenen bildet sie Vorstufe und Ausgang zu Dürers monumentalen Holzschnitten“ (Dürer-Kat. 1971, Nr. 115). Sie wurden auf Wirkung ohne Kolorierung geschnitten und zeigen nur so ihren Detailreichtum und ihre außergewöhnliche Schönheit. „Ein so reich illustriertes, mit so großen, sorgfältig durchgearbeiteten Holzschnitten versehenes Buch war bis dahin unerhört. Hatte Nürnberg seine Illustrationen seither größtentheils von auswärts her entlehnt; so lieferte es hier ein Buch, das sich den Besten anderswo erschienenen würdig an die Seite setzt“ (Muther). Satzspiegel: 26 x 16 cm; Blattformat: 33 x 22,5 cm. KOLLATION: 353 (statt 354) nicht nummerierte Blatt, das erste weiß. Ohne das letzte weiße Blatt. In Text und Abbildung vollständig. Lagenzählung: a-z; ab,ac,ad6; ae8; A-Z6; Aa–Gg6; Hh10. EINBAND: Meisterlicher, roter Maroquineinband von C. Hardy (signiert). Goldgeprägter Rückentitel sowie Steh- und Innenkantenvergoldung. Dreiseitig schwerer Goldschnitt. 6 Bünde. Sehr gute Erhaltung. Buchblock und Bindung fest und stabil. Deckel etwas fleckig. Abmessungen: Folio 33,5 x 24,5 x 5 cm. ZUSTAND: Exzellente Erhaltung. Festes Papier, kräftiger Druck. Äußerst sorgfältig gereinigtes Exemplar. Stellenweise nur noch sehr gering fingerfleckig. Letztes Blatt mit kaum sichtbaren kleinen Restaurierungen im Randbereich. Blatt F6 mit kleinem Eckabriss durch Papierfehler. Holzschnitt auf g1v mit Verfärbung. Keine Ausrisse, Risse oder Fehlstellen. PROVENIENZ: Besitzvermerk des Überlinger Bürgermeisters und Chronisten Jakob Reutlinger (1545-?), datiert Überlingen 1591. Exlibris Sir David Lionel Goldsmid-Stern-Salomons. Bart. Of Broomhill Tunbridge Wells auf vorderen Spiegel. Sir David Lionel Goldsmid-Stern-Salomons, 2nd Baronet lebte von 1851–1925) und war ein wissenschaftlicher Autor und hochdekorierter Jurist. Auf den weiteren Vorsätzen zwei Beschreibungen von französischen Auktionshäusern, frühes bzw. Mitte des 20. Jahrhunderts. Exlibris „Philosophia Hermetica“ auf dem ersten Vorsatz. Das Buch stammt aus der Sammlung von Joost R. Ritman. NACHWEIS: ISTC is00306000; GW 10329; Hain-Copinger 14507 (Hain 6236); BMC II, 434; Goff S-306; Dodgson I, 240 ff.; Fairfax Murray 392; Muther 423; v. Arnim, Slg. Schäfer 134. ISTC listet Exemplare in 146 Bibliotheken weltweit, die meisten davon Fragmente.

Sachgebiete: Alte Drucke 16. Jahrhundert , Geschichte, Inkunabeln, Religion, Holzschnitt

23.09.2022 - 13:25

125000,- EUR

ARTFINDING Katrin & Tilo Hofmann GbR

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DER MUSTERPROZESS ZWISCHEN TEUFEL UND JESUS CHRISTUS: Jacobus de Teramo (1349-1417), Belial zu teutsch. Ein gerichtz handel zwischen Beleal hellischem verweser…, Johannes Prüß, Straßburg, 1508

Sehr seltene deutsche Übersetzung des von dem Kanonisten und Bischof von Monopoli und Tarent, Jacobus Palladinus de Teramo verfassten legendären Werkes „Consolatio peccatorum“ über den satanischen Musterprozess zwischen dem Teufel Belial und Jesus Christus um die Herrschaft über die Menschheit. Belial reicht als Stellvertreter der Höllengemeinde eine Klage gegen Jesus Christus ein, weil dieser bei seinem Abstieg in die Unterwelt unrechtmäßig die Seelen der Gerechten befreit habe. Moses übernimmt die Vertretung Christi, Gott fungiert als iudex ordinarius, Salomon als iudex delegatus. Dieser lehnt die Klage der Höllengemeinschaft ab, was Belial jedoch wegen einer möglichen Befangenheit Salomons, als Verwandtem Christi, erneut vor Gericht bringt. Weitere Prozessschritte folgen mit Joseph von Ägypten als neuem Richter und schließen damit, dass die Erlösung der Toten durch Jesus Christus als rechtmäßig erklärt wird. Der Handlungsverlauf des Belial folgt streng den Regeln des kanonischen Prozessrechts und führt hierbei die verschiedenen Ämter, Institutionen und Rechtsschritte einer Gerichtsverhandlung mit den entsprechenden lateinischen Termini vor. Die Entstehung dieser Schrift fällt in eine Zeit des Schismas, der Päpste und Gegenpäpste. AUSSTATTUNG: Einspaltige gotische Type mit 30 Zeilen. Etliche gedruckte Holzschnitt-Lombarden. Ein imposanter Titel-Holzschnitt, ein Wappenholzschnitt auf dem Titel verso, 32 große Textholzschnitte sowie eine Holzschnitt-Druckermarke unter dem Kolophon. Die Holzschnitte sind detailgetreuen Nachschnitte von Schönspergers Quartausgaben-Holzschnitten. Der Illustrationsstil gleicht dem der „Biblia pauperum'“. Satzspiegel: 13,5 x 9 cm; Blattgröße: 19,5 x 13,5 cm. KOLLATION: 2 nicht num. Blatt; 98 römisch num. Blatt (I-XCVIII). Vollständig. Lagenformel: a4; b8; c-e4; f8; g-i4; k8; l-n4; o8; p-q4; r8; s4; t8. EINBAND: Flexibler Pergamenteinband des 18. Jahrhunderts. Spanische Kanten. Deckel beschmutzt. Oberes rechtes Gelenk mit Einriss. Deckel etwas sperrig. Quart: 20 x 14 x 2 cm. ZUSTAND: Guter Zustand mit stärkeren Gebrauchspuren. Ränder fingerfleckig. Titel mit perfekt restaurierter Beschädigung der linken oberen Außenecke mit hervorragend retuschiertem Textverlust. Auf der Rückseite komplett mit Japanpapier hinterlegt. Im oberen Rand teilweise wasser- und sporfleckig. Dadurch gelegentlich mit Text- und Bildbeeinträchtigung. Diese fragilen Stellen sorgfältig restauriert und mit Japan gesichert. Vorsätze erneuert. PROVENIENZ: Bibliothek Gerard Jaspers (1932-2020) - dessen Exlibris auf dem vorderen Spiegel. REFERENZ: VD16 J 140 bzw. VD16 J 139. Einziger Variantenunterschied des unterschiedlich gedruckten „B“ auf dem Titel hier nicht feststellbar, da diese Stelle in unserem Exemplar handschriftlich ergänzt bzw. retuschiert wurde. Schmidt 70; Ritter 1255; Muller II, S. 19; Vgl. Prinz, Bildgebrauch in gedruckten Rechtsbüchern des 15. bis zum Ausgang des 18. Jhd., S. 137ff. Lediglich zwei bzw. sechs Exemplare in Bibliotheken.

Sachgebiete: Inkunabeln, Occulta, Philosophie, Religionsgeschichte, Holzschnitt

23.09.2022 - 13:14

22000,- EUR

ARTFINDING Katrin & Tilo Hofmann GbR