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Georg Philipp Rugendas (1666 Augsburg - 1742 ebd.), Neun Soldatenstudien, um 1700, Bleistift

Neun Soldaten präsentiert der Augsburger Georg Philipp Rugendas in verschiedenen Posen und bei mannigfaltigen Verrichtungen, auf dem Blatt sorgfältig nebeneinander angeordnet in zwei Reihen zu je fünf und vier Soldaten. Sie stehen breitbeinig, lehnen sich an eine Mauer oder haben ihre Gewehre geschultert. Es sind zarte Graphitstudien von bemerkenswerter Präsenz, die ihre Bedeutung aus der Tatsache gewinnen, dass es sich bei ihnen um Studien nach der Natur handelt. Rugendas, der in Augsburg - die Stadt war 1703/04 besetzt - direkt die kriegerischen Auseinandersetzungen während des Spanischen Erbfolgekrieges erlebte, beobachtete in den verschiedenen Lagern Soldaten bei ihren Tätigkeiten. Rugendas‘ späterer Biograph Johann Caspar Füssli berichtet dazu, dass er "den Vortheil" hatte, "das, was bisher bey ihm bloss idealisch war, nun mit den Augen zu sehen."  Das Blatt illustriert eindrucksvoll, dass es nämlich Voraussetzung dessen ist, was Füssli als "das Idealische" beschrieben hat, das "von dem wahren Sichtbaren der Natur Stuffen-weis zur Idee" wurde.  Das "wahre Sichtbare der Natur" offenbart sich in solchen Studien, die Rugendas zur Vorbereitung seiner Gemälde dienten: "Er verfertigte eine grosse Anzahl regelmässiger Zeichnungen, nach wirklichen Beyspielen, und diese brachte er oft in seinen Gemählden an", schreibt dazu Füssli.  Das Blatt gehört zu einer ganzen Folge von solchen "regelmäßigen Zeichnungen" mit Darstellungen von Soldaten, die sich hauptsächlich in den Kunstsammlungen der Stadt Augsburg,  aber auch in Nürnberg,  Washington  und Sacramento  befinden. Die Augsburger Zeichnungen sind oben links mit "ax" bezeichnet, was auf einen ehemals gemeinsamen Sammlungszusammenhang schließen lässt - wahrscheinlich der Nachlass des Künstlers. Zu dieser Gruppe gehört auch unser Blatt, das ebenfalls oben links mit "ax" bezeichnet ist. Die Blätter dienten Rugendas gleichsam als Ideenvorrat für seine Schlachtenszenen und Schilderungen des Soldatenlebens; er verwendete sie für ausgearbeitete Zeichnungen, für Drucke und für Gemälde. Für zahlreiche dieser Studien konnte die Verbindung zu Gemälden und Drucken hergestellt werden - für das angebotene Blatt steht dieser Nachweis allerdings noch aus. Die Regelmäßigkeit, in der die Soldaten auf dem Blatt angeordnet sind, lässt auch an eine druckgraphische Umsetzung denken, die bereits Rugendas offensichtlich plante, doch erst sein Urenkel Johann Lorenz Rugendas d. J. zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Angriff nahm: In zwei Folgen - Etude des Attidudes et Postures de l'Homme und Zerschiedene Vorstellungen oder Actionen stellte Rugendas insgesamt elf Skizzenblätter seines Urgroßvaters in Radierungen vor. (Text: Peter Prange)

Sachgebiete: Barock, Handzeichnungen, Kunstgeschichte, Militaria, Mode

20.09.2022 - 12:42

2200,- EUR

H. W. Fichter Kunsthandel

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Carl Friedrich Grünwald (1791 Dresden - 1849 Königgrätz), Parthie aus dem Loschwitzer Grund, um 1820, Federzeichnung

"Eine alte Mühle mitten im Thale, von hervortretenden und wieder schwindenden Bergsatteln umlagert, führte uns zu einem der schönsten Plätze, würdig, da zu weilen und uns in den wohlthätigen Stralen des grossen Weltenlichts zu sonnen. Unbefangen und schuldlos spielte ein zweyjähriger Knabe, sich und dem alleinwachenden Auge sorgender Vorsicht überlassen, an der Quelle, die wenig Schritte davon das Maschinenwerk in Bewegung sezte, das den Fleiss des ehrlichen Müllers auf eine ergiebige Weise belohnte. Wir traten ein in dieses Heiligthum der Natur, wo Unschuld und Freude sich einen Altar erbaut zu haben schienen, auf dessen Stufen wir, von ihrer Priesterin mit einem herzlichen Handdruck begrüsst und eingeladen, opfern sollten." So heißt es etwas frömmelnd in den Pitoreskische[n] Reisen durch Sachsen des Johann Jakob Brückner anlässlich eines Besuchs der alten Hänselmühle im Loschwitzer Grund.  Brückners Bericht ist eine Illustration dieser Partie im Loschwitzer Grund von Christian August Günther beigefügt, der Carl Friedrich Grünwalds Ansicht weitgehend entspricht. Grünwalds vom gleichen Standpunkt aufgenommene, monochrome Aussicht zeigt das lebhafte Treiben vor der im Tal an dem Loschwitzbach gelegenen Schneidemühle der Familie Hänsel - Baumstämme liegen zur Weiterverarbeitung bereit, die Wege von Ausflüglern und Waldarbeitern kreuzen sich und Kinder spielen mit dort weidenden Ziegen. Es ist ein stimmungsvolles Bild wild romantischen Charakters voller landschaftlicher Wandlungen - "ein endloser Wechsel anziehender und das Auge fesselnder Gruppen und Gestalten der Bäume" und der "überzustürzen drohenden Felsenmassen, der wunderlichen Krümmungen des Bachs, der das Thal bewässert" bemerkt Brückner.  Die verschiedenen Gründe - enge und tief eingeschnittene Täler mit reißenden Bächen und Wasserfällen - in der Umgebung von Dresden waren voller pittoresker Einfälle, die um 1800 erste Touristen und auch zahlreiche Künstler anlockten. Einer der ersten, der sich von der Wildnis der dortigen Natur angezogen fühlte, war der 1764 als Kupferstecher an die neugegründete Akademie berufene Schweizer Adrian Zingg, der bereits in den 1780er Jahren die Umgebung Dresdens zusammen mit seinen Schülern zeichnend erwanderte. Auf ihn geht die Bezeichnung Sächsische Schweiz für das Elbsandsteingebirge zurück, das ihn an die Landschaft seiner Heimat erinnerte, und er war mit seinen zumeist nach der Natur gezeichneten, großformatigen Ansichten aus der Sächsischen Schweiz in Sepia und Tusche ausgesprochen erfolgreich; in dieser Tradition steht auch die Ansicht von Grünwald, der vor 1810 zeitweise Zinggs Schüler war und sich an den jährlichen Akademieausstellungen nach 1810 wiederholt beteiligte. 1814 hatte er "eine Parthie aus Loschwitz" eingereicht  - es ist anzunehmen, dass es sich dabei um vorliegendes Blatt handelt. Man kann sich gut vorstellen, dass Grünwald auf einer seiner Wanderungen in die Umgebung von Dresden den lieblich-stimmungsvollen Ort zeichnete - dieses unmittelbare Erlebnis sollte auch der damals gleichsam programmatische Zusatz "gezeichnet nach der Natur" bezeugen. (Text: Peter Prange)

Sachgebiete: Handzeichnungen, Kunstgeschichte, Landeskunde, Ortsansichten, Sachsen

20.09.2022 - 12:14

7500,- EUR

H. W. Fichter Kunsthandel